Sexuelle Vielfalt

Plakatkampagne in Winterthur, Mai/Juni 2018

Respekt und Akzeptanz für sexuelle Vielfalt

«Respekt». Mit einem Wort ruft die Winterthurer Fachstelle liebesexundsoweiter in Erinnerung, dass wir bezüglich der Akzeptanz von gleichgeschlechtlicher Liebe und sexueller Vielfalt in der Schweiz noch nicht am Ziel sind. In ihrer täglichen Arbeit wird die sexualpädagogische Fachstelle immer wieder mit Misstrauen bis offener Ablehnung gegenüber nicht heterosexuellen Menschen konfrontiert. Die Plakatkampagne ist ein Zeichen für Akzeptanz und gegen Ausgrenzung.

Junge Menschen, die lesbisch, schwul, bisexuell oder trans* sind, erfahren häufig Anfeindungen,Beleidigungen und Diskriminierung. Eine 2014 und 2015 in der Schweiz durchgeführte Studie ergab, dass 30 Prozent der 19-jährigen als homophob einzustufen sind. Eine Befragung von 2500 15-Jährigen in den Kantonen Waadt und Zürich  zeigt, dass zwei von drei Jugendlichen Homosexualität nicht in Ordnung finden. Forschungsarbeiten zeigen auch, dass Homo- und Transfeindlichkeit abnehmen, je mehr sich Menschen mit diesem Thema befassen.

Auch eine Art von Diskriminierung von gleichgeschlechtlicher Liebe und nicht heterosexuellen Lebensformen kann das Nicht-Thematisieren, das Schweigen zu diesen Fragen sein. Die Winterthurer Fachstelle liebesexundsoweiter will dem mit der aktuellen Plakatkampagne entgegenwirken. Sie fordert zum Gespräch über Homosexualität auf. In der Schule, in der Familie und im Bekanntenkreis. Der Beratungsalltag von liebesexundsoweiter zeigt, dass es auch in Winterthur Jugendliche gibt, die ihre Homosexualität in der eigenen Familie verbergen müssen. Sie trauen sich nicht, sich zu outen.

Fehlende Akzeptanz und fehlender Respekt zeigen sich aber auch öffentlich: In den ersten Tagen der Kampagne wurden einzelne Plakate überklebt oder, am Beispiel einer Plakatstelle im Gutschick, mit homophoben Texten versehen. Homosexualität sei eine abscheuliche Sünde und sexuelle Vielfalt zerstörerisch, wurde auf die Plakate geschrieben. Der Aufruf zu Respekt hat auch im Jahr 2018 durchaus noch seine Berechtigung.

Die Fachstelle liebesexundsoweiter informiert seit mehr als 25 Jahren über sexuelle Gesundheit. Der Schwerpunkt liegt dabei beim Gespräch mit der jungen Generation. Im Jahr 2017 wurden auf Anfragen von Schulen mehr als 450 Klassen mit gut 7000  Jugendlichen besucht. Der grösste Teil davon waren Klassen von Mittel- und Berufsfachschulen.  im ganzen Kanton Zürich.